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"Haha - du bekommst ja eine Glatze" |
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Ein Leben mit AlopeciaAreata "Haha du bekommst ja eine Glatze" witzelte ein Freundin vor zwei Jahren über mich als wir an einem schönen Frühlingstag im Freibad waren. Eigentlich wollte ich an diesem Tag den ganzen Stress der vergangenen Wochen vergessen. Mein Freund war gerade zu einem Auslandseinsatz nach Afghanistan aufgebrochen und würde die nächsten 8 Monate nicht nach Hause kommen.
Das war meine erste Begegnung mit AlopeciaAreata. Und der Beginn einer endlos scheinenden Odyssee.
Geschockt von dem haarlosen Kreis auf meinem Hinterkopf ging ich sofort am nächsten Tag zu meinem Hautarzt. Der erklärte mir, dass es sich um kreisrunden Haarausfall handelte und verschrieb mir als erstes eine Ladung Kortison. Sollte sich nach vier Wochen keine Besserung zeigen sollte ich erneut vorstellig werden. Gleichzeitig machte er mir wenig Hoffnung auf ein baldiges Verschwinden des Loches, sondern schürte meine Angst noch mehr Haare zu verlieren und beendete seinen kurzen Vortrag mit der Bemerkung, dass es ja auch schöne Perücken gäbe. Ich war doch erst 20. Was sollte ich da mit einer Perücke???
Traurig und noch mehr verunsichert machte ich mich auf den Heimweg. Ich begann im Internet zu recherchieren und so meine Wissenslücken in Sachen AlopeciaAreata zu füllen. Das mir verschriebene Kortison nahm ich nicht. Warum meinen Körper mit Kortison schädigen wenn es nur minimale Erfolgsaussichten auf eine Widerkehr meiner Haare gab?
In den nächsten vier Wochen fielen mehr und mehr Haare aus. Jetzt hatte ich zu meinem Kreis am Hinterkopf auch noch einen zusätzlichen am Ponyansatz. Zum Glück waren meine Haare lang genug um die zwei Löcher zu überdecken.
Da sich keine Besserung einstellte ging ich nach vier Wochen zurück zu meinem Hautarzt, der mich an eine Hautklinik verwies. Nach 3 monatiger Wartezeit, in der sich zwei weitere Kreise an meinem Hinterkopf gebildet hatten, bekam ich nun endlich einen Termin in der besagten Hautklinik. Nach fünfminütiger Audienz wurde ich mit Kortison Creme und dem Tipp meine Kopfhaut zu massieren nach Hause geschickt. Ich solle geduldig sein.
Das sollte es gewesen sein??? Ich hatte meine ganze Hoffnung in diesen Termin gelegt. Die letzten Monate hatte ich damit verbracht zu probieren die Löcher auf meinem Kopf zu versteckten. Ich ging nur noch selten feiern, da ich Angst hatte Leute würden mir meine Mütze vom Kopf reißen. Was auch mehr als einmal passierte. Sprüche wie" Na warst du betrunken und jemand hat dir Kreise auf den Kopf rasiert", taten weh. Sehr weh.
Nach meinem Besuch in der Hautklinik gab ich auf. Fürs erste. Ich konnte einfach nicht mehr. Alles was ich wollte war eine Antwort woher mein Haarausfall kam und was es für Behandlungsmethoden gab. Doch niemand konnte mir diese Fragen beantworten und das Gefühl, dass Ärzte mit AlopeciaAreata überfordert waren und mich nicht sehr ernst nahmen trug nicht gerade zu meinem Vertrauen in die Medizin bei.
Die Sorge um meinen Freund in Afghanistan tat natürlich ihr übriges und meine Psyche war am Boden. An meinem Hinterkopf hatten sich nun fünf Kreise zu einem handgroßen Kreis zusammengeschlossen und auch über den Ohren begannen die Haare auszufallen.
Ich dachte meine Probleme würden verschwinden, wenn mein Freund wieder nach Hause käme. Denn wenn die Psyche leidet, leidet auch der Körper. Doch als die acht Monate endlich überstanden waren fielen meine Haare weiter aus.
Also begann ich verschiede Dinge auszuprobieren. Von Homöopathischen Mitteln bis hin zu Laser Therapien bei meinem Friseur und Akupunktur bei meiner Hausärztin. Nichts half. Und ich gab wieder auf.
Nach langem Zögern entschloss ich mich bei meiner Krankenkasse um Unterstützung für eine Perücke zu bitten. Und so lernte ich Frau Rieswick kennen. Ich bekam innerhalb kürzester Zeit ein super Haarteil und eine riesige Last fiel von mir. Es tat so unglaublich gut endlich wieder mit offenen Haaren durch die Welt gehen zu können. Ich fühlte mich endlich wieder selbstbewusst. Und nach nur einem Monat kamen die ersten Haare zurück.
Vor einem Jahr wurde bei mir eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt.
Ich hatte alle Ärzte immer wieder gefragt ob mein Haarausfall nicht auch mit meiner Schilddrüse zusammenhängen könnte, da mein Vater auch eine Schilddrüsenunterfunktion hat. Meine Fragen wurden nur belächelt und der Chefarzt einer Hautklinik erklärte mir so etwas sei nur dummer Volksglaube. Kein einziger Arzt hatte es für wichtig empfunden mich auf eine Fehlfunktion meiner Schilddrüse zu testen. Erst bei einer Routineuntersuchung bei meiner Hausärztin wurde mir Gehör geschenkt und ich wurde getestet. Nun nehme ich seit einem Jahr Jodtabletten und meine Haare sind, bis auf einen kleinen Kreis, alle wieder da.
Die letzten zwei Jahre waren hart, traurig, und ernüchternd. Aber auch lehrreich. Ich habe gelernt mehr auf meinen Körper zu hören und gelernt immer weiter zu machen. Auch wenn man ab und zu aufgeben muss um wieder weiter machen zu können.
Es ist bedauerlich, dass so viele Ärzte mein Problem nie richtig einschätzen konnten und sich auch nie wirklich dafür interessierten. Auch seitens meiner Krankenkasse bekam ich keine Unterstützung. Lediglich die "aufmunternden" Worte ich solle doch froh sein, dass es nur AlopeciaAreata sei weswegen mir die Haare ausfielen und nicht wegen einer Chemotherapie. Auch Tipps wie:" Im Sommer können Sie sich ja ein Tuch um den Kopf binden" waren nicht sehr hilfreich.
Frau Rieswick kennen lernen zu dürfen war das Beste was mir passieren konnte. Ich habe mich bei ihr das erste Mal richtig verstanden und sehr gut aufgehoben gefühlt. Vor zwei Wochen habe ich mich nun entschlossen meine Haare abschneiden zu lassen um daraus eine Perücke fertigen zu können. Vielleicht kann ich ja so etwas von dem zurückgeben was mir bei Frau Rieswick geschenkt wurde. Mein neues Selbstbewusstsein.
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